Herbst-Haarausfall: Was 5 Jahre Suchdaten über einen blinden Fleck verraten

Balkendiagramm: Das Suchinteresse zu Haarausfall in Deutschland steigt jeden Herbst deutlich an, mit dem Höchstwert im Oktober.
Monatsmittel des Suchinteresses zu „Haarausfall" in Deutschland, August 2021 bis August 2026. Datenquelle: Google Trends, eigene Auswertung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Herbst-Effekt ist real: Von August bis Oktober liegt das Suchinteresse zu „Haarausfall" im Fünf-Jahres-Mittel 38 % über dem Niveau von Januar bis Juni. Der Oktober ist in fast jedem Jahr der Spitzenmonat.
  • Er hat eine biologische Erklärung: Im Sommer wechseln besonders viele Haarfollikel in die Ruhephase. Zwischen diesem Wechsel und dem sichtbaren Ausfallen liegen zwei bis drei Monate – deshalb der Herbst.
  • Der blinde Fleck: Unter den 25 häufigsten verwandten Suchanfragen steht kein einziger Schilddrüsen-Begriff. Gesucht wird nach Shampoo, Minoxidil und Biotin – nicht nach der Ursache.
  • Das Wichtigste für dich: Ein paar Wochen verstärkter Haarausfall im Herbst sind meist harmlos. Hält er über drei Monate an, gehören Blutwerte auf den Tisch – und zwar mehr als nur das TSH.

Jeden Herbst dasselbe Muster

Wenn du das Gefühl hast, dass im Herbst mehr Haare im Abfluss landen als sonst: Du bist damit nicht allein, und du bildest es dir auch nicht ein. Millionen Menschen in Deutschland googeln jedes Jahr im selben Zeitfenster nach demselben Thema.

Für diese Auswertung habe ich die Google-Trends-Daten zum Suchbegriff „Haarausfall" für Deutschland über fünf Jahre analysiert – 262 Wochenwerte von August 2021 bis August 2026. Das Ergebnis ist eindeutig:

  • Von Januar bis Juni liegt das Suchinteresse bei einem Indexwert von durchschnittlich 53.
  • Von August bis Oktober steigt es auf durchschnittlich 74 – ein Plus von 38 %.
  • Der Oktober ist der stärkste Monat des Jahres (Index 79), der Februar der schwächste (Index 50).

Und das ist kein Zufallsbefund eines einzelnen Jahres. In den vier vollständig erfassten Jahren lag der Jahreshöchstwert dreimal im Oktober und einmal im September. Im Jahr 2025 fiel der Höchstwert zwar auch auf den Oktober, wurde dort aber vom Mai eingeholt – das schwächste Jahr im Datensatz. Der Anstieg von Frühjahr zu Herbst betrug je nach Jahr zwischen 19 % und 39 %.

Der Ansatz ist übrigens nicht neu: Ein Forschungsteam der Johns Hopkins University School of Medicine und der Washington University hat bereits 2018 im British Journal of Dermatology die Saisonalität von Haarausfall anhand von Google-Trends-Daten der Jahre 2004 bis 2016 untersucht. Was diese Auswertung ergänzt: die aktuellen Zahlen für Deutschland – und den Vergleich mit dem, wonach dabei gesucht wird.

Warum ausgerechnet der Herbst?

Dein Haar wächst nicht gleichmäßig, sondern in Zyklen. Jedes einzelne Haar durchläuft eine Wachstumsphase (Anagen), eine kurze Übergangsphase und eine Ruhephase (Telogen). Am Ende der Ruhephase fällt das Haar aus – und ein neues wächst nach. Normal sind 70 bis 100 Haare am Tag.

Entscheidend ist das Timing: Zwischen dem Wechsel in die Ruhephase und dem sichtbaren Ausfallen liegen zwei bis drei Monate. Was du im Oktober in der Bürste siehst, wurde also im Hochsommer angestoßen.

Und genau da setzen die Studien an. Eine Schweizer Untersuchung an 823 gesunden Frauen über sechs Jahre fand den höchsten Anteil an Haaren in der Ruhephase im Sommer. Eine ältere britische Arbeit kam zum passenden Gegenstück: Der Anteil der Haare in der Wachstumsphase erreicht im März seinen Höchststand von über 90 % und sinkt bis September stetig ab.

Zusammengesetzt ergibt das eine schlüssige Kette: Im Sommer schalten viele Follikel auf Ruhe – zwei bis drei Monate später fällt das Haar aus – im Herbst greifen Frauen zum Smartphone. Die Suchkurve ist damit nichts anderes als der sichtbare Abdruck eines biologischen Rhythmus.

Der blinde Fleck: Woran fast niemand denkt

Liniendiagramm: Das Suchinteresse zu Haarausfall steigt im Herbst stark an, während Schilddrüsen-Suchen im Januar ihren Höchststand haben und im Herbst flach verlaufen.
Saisonprofile im Vergleich, je Suchbegriff auf das eigene Jahresmittel indexiert. Datenquelle: Google Trends, eigene Auswertung.

Jetzt kommt der Teil, der mich als Apotheker am meisten beschäftigt.

Ich habe dieselben fünf Jahre auch für die Suchbegriffe „Schilddrüse", „Schilddrüsenunterfunktion" und „Hashimoto" ausgewertet – in der Erwartung, ein ähnliches Muster zu finden. Das Gegenteil ist der Fall:

  • Die Schilddrüsen-Suchen haben ihren Höhepunkt im Januar und Februar – also genau dann, wenn die Haarausfall-Suchen ihren Tiefpunkt erreichen.
  • Der statistische Zusammenhang zwischen beiden Kurven liegt bei nahezu null (Korrelationskoeffizient 0,03 bis 0,23; nach Bereinigung um langfristige Trends sogar leicht negativ).
  • Und der deutlichste Befund: Unter den 25 häufigsten verwandten Suchanfragen zu „Haarausfall" taucht kein einziger Schilddrüsen-Begriff auf. Auch „Eisen", „Ferritin" oder „Blutwerte" fehlen komplett.

Wonach stattdessen gesucht wird, liest sich wie ein Drogerieregal:

Verwandte Suchanfrage Relatives Interesse
haarausfall frauen 100
shampoo haarausfall 69
kreisrunder haarausfall 57
was gegen haarausfall 52
minoxidil 28
haarausfall vitamine 19
biotin 18
wechseljahre haarausfall 14

Auszug aus den 25 häufigsten verwandten Suchanfragen. Datenquelle: Google Trends, Deutschland, 2021–2026.

Das deckt sich exakt mit dem, was ich in der Beratung erlebe. Frauen kommen mit einem Shampoo in der Hand in die Beratung, nicht mit einem Laborbefund. Viele haben schon drei oder vier Mittel durchprobiert, bevor überhaupt jemand die Frage stellt, warum die Haare ausfallen.

Dabei gehört die Schilddrüse zu den häufigsten medizinischen Ursachen für diffusen Haarausfall bei Frauen. Schilddrüsenhormone steuern die Wachstumsphase des Haares: Läuft die Schilddrüse zu langsam, wird diese Phase verkürzt, mehr Follikel gehen vorzeitig in die Ruhephase, und das Haar wird über den ganzen Kopf hinweg dünner. Wie dieser Mechanismus im Detail funktioniert, habe ich im Ratgeber zu Schilddrüse und Haarausfall ausführlich beschrieben.

Ich will hier ausdrücklich nicht behaupten, dass hinter jedem Herbst-Haarausfall eine Schilddrüsenerkrankung steckt. Im Gegenteil: Die allermeisten saisonalen Schübe sind harmlos und vergehen von selbst. Aber wenn niemand nach der Ursache sucht, fallen genau die Fälle durchs Raster, in denen es eben doch eine gibt.

Wann harmlos, wann abklären lassen?

Die praktische Faustregel aus meiner Beratung:

Wahrscheinlich saisonal und harmlos, wenn …

  • der verstärkte Ausfall im Spätsommer oder Herbst beginnt,
  • er nach sechs bis zwölf Wochen wieder nachlässt,
  • die Haardichte insgesamt gleich bleibt,
  • und es dir sonst gut geht.

Lass die Ursache ärztlich abklären, wenn …

  • der Haarausfall länger als drei Monate anhält,
  • die Haardichte sichtbar abnimmt oder der Scheitel breiter wird,
  • zusätzlich Müdigkeit, Frieren, Gewichtszunahme, trockene Haut oder Zyklusveränderungen auftreten,
  • oder du die äußeren Drittel deiner Augenbrauen verlierst.

Und wenn du zur Blutabnahme gehst: Bitte um TSH, fT3 und fT4 sowie um Ferritin für den Eisenspeicher. Der Satz „Ihre Schilddrüsenwerte sind normal" bezieht sich nämlich häufig auf einen einzigen Wert – das TSH. Das ist ein Steuerungshormon der Hirnanhangsdrüse und sagt nur indirekt etwas darüber aus, wie viel aktives Hormon tatsächlich in deinen Zellen ankommt.

Das ist übrigens auch der Punkt, an dem Selen ins Spiel kommt: Die Enzyme, die das Speicherhormon T4 in das aktive T3 umwandeln, sind Selenoproteine – sie brauchen Selen, um zu arbeiten. Entsprechend gilt der von der EFSA zugelassene Hinweis: Selen trägt zu einer normalen Schilddrüsenfunktion bei. Genau darauf ist Dein recens Hair Energy ausgelegt. Ein Nahrungsergänzungsmittel ersetzt aber weder die Blutuntersuchung noch eine notwendige Therapie – und in acht von zehn Beratungen rate ich eher ab als zu.

Was das für dich bedeutet

Drei Dinge nimm bitte aus dieser Auswertung mit:

Erstens: Geduld. Der Haarzyklus arbeitet in Monaten, nicht in Wochen. Was im Oktober ausfällt, wurde im Juli angestoßen – und was du heute veränderst, siehst du frühestens in drei Monaten. Genau daran scheitern die meisten Versuche: Sie werden nach vier Wochen abgebrochen.

Zweitens: Erst die Ursache, dann das Mittel. Die Suchdaten zeigen, dass die allermeisten Menschen es umgekehrt machen. Ein Shampoo kann keinen Nährstoffmangel und keine Schilddrüsenunterfunktion beheben.

Drittens: Frag nach mehr als dem TSH. Wenn du dir nur einen Satz merkst, dann diesen.

Methodik

Damit diese Auswertung nachvollziehbar und überprüfbar ist, hier die Vorgehensweise im Detail:

  • Datenquelle: Google Trends (trends.google.de), Region Deutschland, wöchentliche Werte.
  • Zeitraum: 1. August 2021 bis 2. August 2026 (262 Wochenwerte je Suchbegriff).
  • Suchbegriffe: „Haarausfall" (Hauptbegriff) sowie „Schilddrüse", „Schilddrüsenunterfunktion" und „Hashimoto" für den Vergleich. Die vier Begriffe wurden in einer gemeinsamen Abfrage erhoben, damit ihre Werte zueinander vergleichbar sind.
  • Kennzahlen: Google Trends liefert keine absoluten Suchzahlen, sondern einen relativen Index von 0 bis 100, bezogen auf den Höchstwert im Abfragezeitraum. Die Monatswerte in dieser Auswertung sind Mittelwerte der jeweiligen Wochenwerte. Für den Saisonvergleich der Begriffe wurde jede Kurve auf ihr eigenes Jahresmittel indexiert (100 = Jahresmittel).
  • Korrelation: Pearson-Korrelation der Wochenwerte, zusätzlich berechnet nach Bereinigung um den langfristigen Trend (Abzug des zentrierten gleitenden 52-Wochen-Mittels), um rein saisonale Gleichläufe sichtbar zu machen.
  • Verwandte Suchanfragen: Top-Liste von Google Trends zum Begriff „Haarausfall" für denselben Zeitraum und dieselbe Region.
  • Einschränkungen: Suchinteresse ist nicht gleich Krankheitshäufigkeit – es misst, worüber Menschen nachdenken, nicht, was sie haben. Das Jahr 2022 zeigt einen erhöhten Ausschlag, der plausibel mit Haarausfall nach Covid-19-Infektionen zusammenhängt („haarausfall corona" gehört im Datensatz zu den häufigsten verwandten Suchanfragen). Der Herbst-Effekt bleibt aber auch in den Jahren danach klar erkennbar. Die regionale Auswertung nach Bundesländern ergab nur geringe Unterschiede (Index 88 bis 100) und wird deshalb hier nicht als Befund dargestellt.

Für Redaktionen: Die zugrunde liegenden Rohdaten, die Auswertung nach einzelnen Jahren sowie die Grafiken in Druckauflösung stelle ich auf Anfrage kostenfrei zur Verfügung – auch mit einer Auswertung für dein Bundesland. Kontakt: presse@recens-nutrition.de. Die Grafiken dürfen mit der Quellenangabe „Google Trends / Auswertung: recens nutrition" frei verwendet werden.

Häufige Fragen

Ist Haarausfall im Herbst normal?
Ja. Eine saisonale Zunahme im Spätsommer und Herbst ist in mehreren Studien dokumentiert und hat mit dem natürlichen Haarzyklus zu tun. Bei den meisten Frauen normalisiert sich das nach einigen Wochen von selbst.

Wie lange dauert saisonaler Haarausfall?
Typischerweise sechs bis zwölf Wochen. Genau das bilden auch die Suchdaten ab: Anstieg ab August, Gipfel im Oktober, Rückkehr auf das Ausgangsniveau bis Dezember.

Kann ich saisonalem Haarausfall vorbeugen?
Den saisonalen Rhythmus selbst kannst du nicht abstellen – er gehört zur normalen Biologie deines Haares. Beeinflussbar ist die Grundlage: eine ausreichende Versorgung mit Nährstoffen und eine abgeklärte Schilddrüsenfunktion. Zink trägt zur Erhaltung normaler Haare bei, ebenso Biotin und Selen (EFSA-zugelassene Angaben).

Warum steigen die Schilddrüsen-Suchen im Januar?
Dafür liefern die Daten keine Erklärung, und ich will hier auch keine erfinden. Naheliegend sind Vorsatz- und Vorsorgeeffekte zum Jahresbeginn – belegen lässt sich das mit dieser Auswertung nicht.

Quellen

Diese Auswertung wurde nach bestem Wissen auf Basis der zum Stand 4. August 2026 verfügbaren Evidenz erstellt. Die medizinischen Quellen wurden nach Aktualität und wissenschaftlicher Güte priorisiert.

  1. Eigene Auswertung von Google-Trends-Daten, Deutschland, August 2021 bis August 2026. Google Trends
  2. Hsiang EY, Semenov YR, Aguh C, Kwatra SG. Seasonality of hair loss: a time series analysis of Google Trends data 2004-2016. British Journal of Dermatology, 2018;178(4):978–979. PubMed 29048738
  3. Kunz M, Seifert B, Trüeb RM. Seasonality of hair shedding in healthy women complaining of hair loss. Dermatology, 2009;219(2):105–110. PubMed 19407435
  4. Randall VA, Ebling FJ. Seasonal changes in human hair growth. British Journal of Dermatology, 1991;124(2):146–151. PubMed 2003996
  5. Telogen Effluvium. StatPearls / NIH Bookshelf, 2024. NCBI Bookshelf NBK430848
  6. Is thyroid dysfunction a common cause of telogen effluvium? Medicine, 2024. PMC10766245
  7. Verordnung (EU) Nr. 432/2012 – zugelassene gesundheitsbezogene Angaben (Selen, Zink, Biotin). EFSA. EFSA Journal 1727

Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei anhaltendem Haarausfall oder einer Schilddrüsenerkrankung sprich bitte mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene Ernährung und eine gesunde Lebensweise.

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